Auch ich bestelle meine Bücher oft online oder gehe in ein grosses Bücherhaus, weil das meist zentral gelegen ist und mit einer riesigen Auswahl lockt. Doch immer, wenn ich in einer kleinen, gut sortierten Buchhandlung lande, nehme ich mir fest vor, in Zukunft wieder vermehrt solche Läden zu berücksichtigen.
Zum Beispiel die Münstergass-Buchhandlung. Nach einer Stunde zwischen den weissen Gestellen und den ausgewählten Exemplaren das Fazit: Hier macht Bücher kaufen mehr Spass! Da der Platz beschränkt ist musste eine Auswahl getroffen werden und die Leute, die diese Auswahl treffen, verstehen definitiv etwas von Bücher. In aller Ruhe kann man Exemplare anfassen, sich auf ein Sofa setzen und durchblättern. Wohltuend auch: Es findet sich kein einziges Buch über hormongesteuerte Teenager, die sich gegenseitig beissen (Vampirromane) und keine kitschtriefende Beichten à la "Wüstentochter - Meine Jahre im Harem".
Und hier ein kurzes Interview mit Siri zu den grossen Fragen des Lebens: Siri Hustvedt ger svar påfem stora frågor
Zum Beispiel die Münstergass-Buchhandlung. Nach einer Stunde zwischen den weissen Gestellen und den ausgewählten Exemplaren das Fazit: Hier macht Bücher kaufen mehr Spass! Da der Platz beschränkt ist musste eine Auswahl getroffen werden und die Leute, die diese Auswahl treffen, verstehen definitiv etwas von Bücher. In aller Ruhe kann man Exemplare anfassen, sich auf ein Sofa setzen und durchblättern. Wohltuend auch: Es findet sich kein einziges Buch über hormongesteuerte Teenager, die sich gegenseitig beissen (Vampirromane) und keine kitschtriefende Beichten à la "Wüstentochter - Meine Jahre im Harem".Die Münstergass-Buchhandlung verliess ich schliesslich mit dem einzigen Buch von Siri Hustvedt, welches noch in meinem Büchergestell fehlt - dass ich ein riesiger Fan von Siri bin, ist ja kein Geheimnis...
"Die zitternde Frau - Eine Geschichte meiner Nerven", so der Titel.
Nach einem Zitteranfall währen einer Gedenkrede für ihren Vater, macht sich Siri Hustvedt selbst zum Studienobjekt und lässt den Leser an ihren therapeutischen Selbstversuchen teilhaben. Wechselnde Diagnosen wie Hysterie oder Konversionsstörungen beleuchtet sie aus psychoanalytischer, medizinhistorischer und neurologischer Sicht. Siri gibt sich als grosse Freud-Kennerin und auch Bewundrerin zu erkennen und würdigt seine Verdienste in der Neuropathologie. Über die Schlussfolgerung oder Diagnose, die Hustvedt schliesslich präsentiert, kann man wohl geteilter Meinung sein. Die Erkenntnis, dass Geist und Körper nicht immer nach einem einfachen Ursache-Wirkungs-Prinzip funktionieren und uns daher die schlüssige Lösung für eine so diffuse Krankheit wie Zitteranfälle vorenthalten, leuchtet ein.
"Wie die Wahrheit auch aussehen mag, die Hochs und Tiefs meines eigenen Nervensystems und meine Begegnungen mit Ärzten illustrieren die ganze Zweideutigkeit von Krankheit und Diagnose. Die philosophischen Ideen, die ihnen zugrunde gelegt werden, um das eine so und das andere so zu nennen, bleiben oft unüberprüfbar oder scheinen eher von intellektuellen Moden als von scharfsinnigem Denken bestimmt."
Der Kunstgriff der Autorin, das Krankheitsbild schliesslich in das Selbstbild zu integrieren und sich in die lange Reihe von genialen Schriftsteller, welche unter Hypersensibilität litten und es "mit den Nerven" hatten zu stellen, ist hingegen etwas narzistisch, wie ich finde.
"Die zitternde Frau - Eine Geschichte meiner Nerven", so der Titel.
Nach einem Zitteranfall währen einer Gedenkrede für ihren Vater, macht sich Siri Hustvedt selbst zum Studienobjekt und lässt den Leser an ihren therapeutischen Selbstversuchen teilhaben. Wechselnde Diagnosen wie Hysterie oder Konversionsstörungen beleuchtet sie aus psychoanalytischer, medizinhistorischer und neurologischer Sicht. Siri gibt sich als grosse Freud-Kennerin und auch Bewundrerin zu erkennen und würdigt seine Verdienste in der Neuropathologie. Über die Schlussfolgerung oder Diagnose, die Hustvedt schliesslich präsentiert, kann man wohl geteilter Meinung sein. Die Erkenntnis, dass Geist und Körper nicht immer nach einem einfachen Ursache-Wirkungs-Prinzip funktionieren und uns daher die schlüssige Lösung für eine so diffuse Krankheit wie Zitteranfälle vorenthalten, leuchtet ein.
"Wie die Wahrheit auch aussehen mag, die Hochs und Tiefs meines eigenen Nervensystems und meine Begegnungen mit Ärzten illustrieren die ganze Zweideutigkeit von Krankheit und Diagnose. Die philosophischen Ideen, die ihnen zugrunde gelegt werden, um das eine so und das andere so zu nennen, bleiben oft unüberprüfbar oder scheinen eher von intellektuellen Moden als von scharfsinnigem Denken bestimmt."
Der Kunstgriff der Autorin, das Krankheitsbild schliesslich in das Selbstbild zu integrieren und sich in die lange Reihe von genialen Schriftsteller, welche unter Hypersensibilität litten und es "mit den Nerven" hatten zu stellen, ist hingegen etwas narzistisch, wie ich finde.
Und hier ein kurzes Interview mit Siri zu den grossen Fragen des Lebens: Siri Hustvedt ger svar påfem stora frågor

Soeben aus den Ferien zurück finde ich diesen wunderbaren Blogbeitrag und freue mich mächtig darüber.
AntwortenLöschenVielen herzlichen Dank.
Ulrich Riklin
Münstergass-Buchhandlung