Sonntag, 21. August 2011

Griechische Lektüre

Es ist schwierig, über Griechenland zu reden die Tage. Fällt das Wort in einer Konversation, lächelt das Gegenüber und nickt vielsagend - in seinem Kopf entrollen sich lange Ströme von Bildern aus den Nachrichten: Die bröckelnde Akropolis als Sinnbild für den wirtschaftlichen Untergang, Demos in Athen, Papandreou mit hängenden Schultern und gesenktem Blick.

Doch bereist man das Land und ist erst einmal weg aus Athen, verblasst das Schlagwort "Krise" schnell. Die Leute leben ihr Leben wie bis anhin - mit kleinen Einschränkungen. Es wird nicht mehr so oft auswärts gegessen, die Sommerferien fallen dieses Jahr eine Woche kürzer aus. Glücklich ist, wer auf dem Land wohnt und ein paar Dinge im Garten selber anpflanzen kann. Familie und etwas Ackerland werden zum Ass im Ärmel in den schwierigen Zeiten.

Vorwärts in die Vergangenheit, also? Wer Lust auf ein ironisches Sittenbild des archaischen Griechenlands hat, dem sei Panos Karnezis Kurzgeschichten empfohlen. "Kleine Gemeinheiten" heissen sie, doch schon nach dem ersten Kapitel stellt man fest, dass dieser Titel eine kolossale Untertreibung ist. Alles was Gott verboten hat, treibt diese Dorfbevölkerung und allen voran ihr Priester. Letzterer allerdings mit gutem Grund: Das Dorf vor der gerechten Strafe Gottes für ihre mannigfaltigen Sünden zu retten, ist die priesterliche Mission- und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Griechische Tragödien im Dorfe, irgendwo zwischen Fellini und Coen Brothers.

Athen in diesen Tagen, beschreibt hingegen Petros Markaris in seinem neuen Roman "Faule Kredite". Kommissar Charitos ermittelt im Umfeld von korrupten Banken, gedopten Leistungssportlern und das alles, während auf dem Polizeiposten in Athen helle Aufregung wegen den gekürzten Renten herrscht.




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