Montag, 4. Juli 2011

Recycle meine Jugend!

Ab wann ist man alt?

Ich ziemlich genau ab dieser Saison. Die Vorläufer waren nicht zu übersehen und die grosse Welle wird noch kommen: Ich rede vom Revival der 90er. Bereits diesen Sommer hingen an den Kleiderstangen von Zara und Co. klare Schnitte à la Calvin Klein in grossflächigem blau und weiss. Ein Theaterstück mit dem Titel "Wir Kinder der 90er" machte Halt in Bern. Und Lady Gaga, die First Lady of Trends, spielt jetzt Eurodance.
Es ist also offiziell - meine Jugend wird recycelt und das macht mich ebenso offiziell ein bisschen alt.

Wenn ich die 90er in einen Begriff fassen müsste, dann würde ich sagen "Spice Girls". Ich war damals frisch aus der Schule und legte zwecks Zukunftsperspektivenfindung vier Monate in England ein. Eine nette Gastfamilie, eine grosse Sprachschule und jeden Abend Party. Sieben Kilo später war ich wieder zu Hause und tatsächlich ein bisschen erwachsener.

England befand sich damals auf dem Höhepunkt der Spice Girls-Hysterie und ich bekam eine Ahnung, wie musikbegeistert die Briten sind. Die Spice Girls waren omnipräsent. Schaltete man den Fernseher ein, kamen auf irgendeinem Sender die Spice Girls. In jedem Geschäft lief ihre Musik und ihre T-Shirts, Tassen, CDs, Bücher, Videos (ja, liebe Kinder, so hiessen damals die DVDs) gabs an allen Ecken zu kaufen. In der Schule mussten sie für Beispiele herhalten ("Suan Hung, do you say 'I love Emma Bunton' or 'I like Emma Bunton'? Please explain it to your classmates, would you?) und beim Nachtessen mit der Gastfamilie tönte es ähnlich ("Do you like the Spice girls, Heidi?", fragte der Landlord. Meine Gastfamilie nahm ausschliesslich Mädchen aus der Schweiz und der Herr des Hauses hatte längst aufgegeben, sich unsere Namen zu merken. Deshalb war ich "Heidi", genauso wie alle anderen vor und nach mir auch).

Offiziell fand ich die Spice Girls natürlich doof. Wegen Kommerzscheiss und so. Aber insgeheim war ich auch ein bisschen Fan. So frech und so positiv hatten noch nie Mädchen Musik gemacht und ihre Botschaft fand Anklang, selbst bei einem mürrischen Teenager wie mir.

Sehe ich heute Bilder der Spice Girls muss ich seufzen und denke "Oh Gott, wie unschuldig sie damals waren". Victoria Beckham hatte Cup A und etwas im Gesicht, das den Namen "Nase" noch verdiente. Geri Halliwell war ein bisschen dick und das Sporty Spice machte im Adidas Trainer Rückwärtssaltos. Ich dachte damals, sie wären wirklich fünf beste Freundinnen, die zusammen Musik machen und der "Girl Power"-Schlachtruf klang echt und wahr in meinen jungen Ohren.

A-zigazag-ah.

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