Donnerstag, 30. Juni 2011

Das Buch zum Sommer

Die Amerikaner nennen es "girl crush", ich nenne es eine "klitzekleine Obsession". Gemeint sind Frauen, von denen man so fest Fan ist, dass man stundenlang im Internet nach Berichten, Fotos und Videos sucht und alles was sie produzieren, automatisch mit voller Hingabe und Begeisterung verschlingt. Ich habe zwei solche klitzekleine Obsessionen. Die eine ist Alison Mosshart (aber davon ein andermal), die andere Siri Hustvedt, amerikanische Schriftstellerin mit norwegischen Wurzeln.

Als im Frühling ihr neustes Buch "Der Sommer ohne Männer" erschien, freute ich mich riesig auf den Roman und nun, da der Sommer endlich da ist, habe ich ihn zu Ende gelesen.
Siri Husvedt beschreibt ein Ehepaar in einer Midlife crisis. Der Mann, Boris, will eine Pause von der Ehe und die "Pause" stellt sich bald als seine französische, mit einem "signifikante Busen" ausgestattete, Kollegin heraus. Die Protagonistin und Ehefrau reagiert ebenfalls klassisch, wenn auch relativ heftig: Sie landet für eineinhalb Wochen in der Psychiatrie mit einer akuten psychotischen Störung, "auch bekannt als Durchgangssyndrom, was bedeutet, dass man wirklich verrückt ist, aber nicht lange".

Von dort flüchtet sie aufs Land, weg aus Brooklyn in ihren Heimatort. Sie mietet eine Wohnung, bringt intriganten Teenagerinnen Poesie näher und findet Trost bei den resoluten Frauen in den Seniorenwohnanlage ihrer Mutter. Langsam genest sie und kann sich - zu ihrer grossen Verwunderung - ein Leben ohne Boris vorstellen. Natürlich braucht Boris schon bald eine Pause von der "Pause" und startet zerknirscht seine ansatzweise romantischen Rückeroberungsversuche.

"Mach mir den Hof", fordert die Verlassene ihn auf - der Ausgang von Mias und Boris' Geschichte erfahren wir nicht. Aber wir tauchen für 300 Seiten in Hustvedts poetische Welt ein und kriegen einen "Frauenroman", der alle Spötter dieses Genres Lügen straft.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen